Dienstag, 26. November 2013

Homo stupidus

(geschrieben Mai 2003)

Habt Ihr schon jemals ein Tier erlebt, das bis zur Bewegungsunfähigkeit frisst.... abgesehen von diversen Schoßhunden und Stubentigern? Denkt mal darüber nach, wann Ihr je von einer Tiergattung gehört hätten, die freiwillig chemisch aufbereitete Nahrung zu sich nimmt oder sich mit Genuss Gift zuführt.
Der Mensch gehört zu den Säugetieren, er unterscheidet sich angeblich von anderen Spezies durch sein Gehirn, er hat die Fähigkeit eines Ich-Bewusstseins und das Potential zum Kreativ sein.
Allerdings denke ich trotzdem, dass er eine Fehlplanung ist. Dass der Mensch Kriege aus Machtgier führt, das verwundert mich gar nicht so sehr, denn das ist auch im Tierreich Thema Nummer Eins. Es geht nur ums Fressen oder Gefressen werden und um die Vergrößerung des Territoriums, egal wohin man sieht. Selbst ein Virus hat nichts anderes im Kopf, als Macht über seinen Wirt zu erlangen, um sich zu vermehren. Ähnlich wie die ersten Europäer, die in Amerika kaum angekommen, anfingen die Indianer (also ihre Wirte) platt zu machen.
Aber was ist in die Menschen gefahren, aus Gründen der Religion zu kämpfen?
Wenn wir uns nüchtern das Ziel jeder Religion ansehen: als spirituell gewachsener Mensch am Ende seines Lebens da zu stehen (ganz salopp ausgedrückt), dann frage ich mich, ob der Weg dorthin nicht völlig egal ist.
Ich meine, es ist doch absolut schnurz und piep, ob 3+1, 2+2, 5-1 oder 1+3 4 ist, oder?
Aber der Homo sapiens macht daraus riesige Debatten und Kriege.

Wo wir vorhin schon mal beim Essen waren. Anders als die Tiere, die ihre Speisen roh und ungewürzt zu sich nehmen, haben wir die wunderbare Begabung Tolles aus diversen Zutaten zu zaubern. Wir schafften es mit der Zeit sogar, Lebensmittel haltbar zu machen, erst durch Benutzung künstlicher Kälte, später durch künstliche Zusätze.
Ist Euch schon einmal aufgefallen, wie irrelevant die Ablaufdaten geworden sind? Richtig Angst bekomme ich wenn die Milch einen Monat nach Ablaufgrenze immer noch nicht sauer ist.
Als ich zum ersten Mal nach Deutschland kam, verging mir der Appetit ein wenig, als ich in einem Lokal auf der Speisekarte entdeckte, dass die dort kredenzte Wurst Phosphate enthält..... beginne ich etwa im Dunkeln zu leuchten, nach Verzehr derselben? Was allerdings dem Fass den Boden ausschlug, war was ich letztens in einer niedlichen Waldschenke nach einem erbaulichen Spaziergang zu sehen bekam:
Die Speisekarte wurde mir gereicht und auf den ersten beiden Seiten fand ich eine Aufschlüsselung von chemischen Zusätzen, in folgender Art (bitte nagelt mich nicht an den tatsächlichen Worten fest, mein fotografisches Gedächtnis ist miserabel, ich gebe hier nur das Gefühl wieder, was letztendlich das Erlebte bei mir hinterließ):
1 = Ameisensäure
2 = Aminosulfate
3 = Zyanidamphitamin
4 = Salpetersäure
5 = Kochsalzlösung
6 = Dysribonuklearsulfide
7 = Phosphatderivate
8 = Arsenessenzen

usw usf

Zwei Seiten eng beschrieben und die Erklärung, dass man in folgender Speisenaufzählung nur noch die Nummern fände, die man aber an Hand der Tabelle nachschlagen könne, um zu erfahren was in den Speisen enthalten sei.

WIE BITTE? Kann man diesen Unfug, den sich sicherlich Schwachköpfe der EU-Riege ausgedacht haben, nicht am Ende der Speisekarte verfrachten? Ich meine, ich bin ausgezehrt nach der körperlichen Anstrengung des Waldspaziergangs und möchte mich stärken... nach der Tabelle vergeht’s einem doch. Ich weiß ja, dass in den Lebensmitteln Chemie steckt, aber will ich es so genau wissen? Wer von uns hat nicht vor Jahren beim Einkaufen entdeckt, dass die Inhaltsstoffe der Produkte immer kryptischer werden. E 127, E 733, E 815...... Erst beschloss ich ja, in meinem damals jugendlichen Überschwang, NIEMALS Lebensmittel zu kaufen, in dem mehr als zwei E’s enthalten sind, bis ich entdeckte, dass man von Bier, Karotten und Badezusätzen nicht wirklich satt wird.

Ist es nicht kongenial? Der Mensch schafft es, mit seinem tollen Gehirn, Speisen noch haltbarer noch künstlicher zu machen und schafft dann Gesetzte in denen es darum geht, dass Konsumenten gewarnt werden müssen, dass sie Chemie zu fressen in Begriff sind.

Ich jedenfalls habe nichts zu essen bestellt und mich darauf verlassen, dass im Kaffee nur Kaffee, Wasser und Milch ist – was sicherlich sehr blauäugig von mir war.

Nehmen wir doch zum Beispiel, um beim Thema zu bleiben, den Einkauf an sich. Beobachten wir ein Tier bei der Nahrungsbeschaffung: es legt sich auf die Lauer nachdem es eine Fährte gewittert hat und nach kurzer präziser Jagd, nagt es bereits an den Rippen der Beute. Oder es hängt sich in einen Baum und frisst los, senkt den Kopf über ein Grasbüschel und kaut etc.
Der Mensch? Wir gehen in einen Supermarkt, kämpfen uns durch diverse E-verseuchte Produkte, genveränderte Gemüsesorten und mit Hormonen angereicherte Schnitzel was ja schon einer Jagd an sich gleich kommt, gedenken wir nur der vielen widerrechtlich geparkten Einkaufswagen mitten im Gang oder den krassen Linksabbiegern, aber wenn es ans Zahlen geht, dann wird es erst richtig bizarr. Erst legen wir die Ware vom Regal in den Korb, später von diesem auf das Band, von dort wieder in den Korb nachdem es eingescannt wurde. Dann kramen wir noch Leergutzettel hervor , danach entscheiden wir uns per Karte zu zahlen, wir dürfen aber nicht auf die diversen Paybacks vergessen, also noch eine weiter Plastikkarte heraus gekramt (welche zwischen Otto-Obervertrauensgoldkundenkarte, Krankenkassenkarte, Stechkarte, Amex- Visa- Eurocard – etc und diversen Buchclubkarten steckt).
Ist Euch schon aufgefallen, dass Ihr weniger Hände beim Bezahlen frei haben, als beim nach Hause tragen Eurer Einkäufe?

Sind wir eigentlich irre geworden? Haben uns all die PCs, Handys und I-dingens schon so verstrahlt, dass wir komplikationssüchtig geworden sind?

Ich habe zu Hause Geräte herum stehen, die mir im Alltag Zeit ersparen sollen bzw. meine Freizeit versüßen. Wisst Ihr, dass ich bei den meisten Maschinen lediglich 20 % aller Knöpfchen kenne und auch nutze? Für all die anderen Funktionen müsste ich den Dipl. Ing. in Technik ablegen (bzw. den Bachelor in Betriebsanleitungslesen). Aber vielleicht ist genau das ja auch Sinn und Zweck der eingesparten Zeit.

Für mich jedenfalls hat sich die Frage der Religion erledigt, ich werde Buddhistin. Denn wenn ich ein schlechtes Leben führe, dann reinkarniere ich als E 275 und brauch mir nicht mal um mich selbst Gedanken zu machen.

Donnerstag, 21. November 2013

Ein schlechter Reim will unbedingt raus

Marlene

Im Herbst ist es kalt, und wo ich's erwähne
da wird mir oft kalt in die Beene
ein heisses Getränk ich ersehne
in der Küche mach ich mir Tee, ganz alleene
da lächelt sie mir zu, die kesse Kleene
ein Glas mit Honig namens Marlene!

Donnerstag, 7. November 2013

Scheinheiliges Pack

Den ganzen Tag lese ich nun erboste Kommentare zum Aufreger des Tages schlechthin... St.Martin soll umbenannt werden in Sonne-Mond-und-Sterne.

Menschen regen sich darüber auf, denen ich gerne die Frage stellen möchte, wann sie denn das letzte Mal am Laternenumzug dabei waren, oder ob sie denn überhaupt wissen wer der Heilige Martin war. Aber Halt! Nach dem heutigen Tag, weiss sogar der Bildzeitungsleser um wen es da geht... ich trau mich wetten, gestern wusste er's noch nicht ;)

Witzig nur, dass der Heilige Martin, ein katholischer Bischof war.. was hat der eigentlich bei den Evangelen zu suchen? Aber egal, es wird seine Gründe haben, allein der gütige Gedanke des Teilens zählt und das ist universal zu verstehen. Ein Gedanke, der bei den meisten, die sich hier aufregen, schon gar nicht mehr vorhanden ist.

Worum geht es denn bei dieser Sache wirklich? Um den Gedanken, Religion aus Schule und Kitas rauszuhalten... und dieser Gedanke hat meine unumwundene Sympathie. Wenngleich ich es albern finde, das Fest zu belassen, aber den Namen zu ändern... das ist halbherzig und  nicht nachvollziehbar.
Schule und Kita sollten meines Erachtens nichts, aber auch gar nichts, mit Religion zu tun haben. Dazu ist das Elternhaus da. Wer religiös ist, soll das bitte privat ausleben und wer dazu nicht 100% in der Lage ist: schon in früheren Zeiten gab es die Einrichtung der Sonntagsschule.

Ich bin keine Muslima, aber ich bin nicht religiös... überhaupt gar nicht. Und ich sehe mich zwanghaft ständig mit religiösen Themen konfrontiert - und das bloss, weil meine Kinder einen Kindergarten bzw. eine Grundschule im Dorf besuchen. Es stört mich nicht wirklich, aber es wäre mir lieber, wenn dem nicht so wäre.
Ich habe mir nicht ausgesucht, dass mein Kind einen evangelischen Kindergarten besucht, es gibt keine wirkliche Alternative hier im Ort.
Und mein Grundschulkind aus dem Religionsunterricht rauszunehmen geht auch nicht wirklich, weil es kein Angebot für diese Stunden gibt.
Mein Grundschulkind hat eh schon eine gesunde Einstellung zu dieser Sache - sie ist schlicht und ergreifend davon überzeugt, dass es ohnehin keinen Gott gibt und das alles dem Reich der Märchen und Sagen zuzuordnen ist.
Mein Kindergartenkind glaubt auch noch, dass es Feen sind, die jede Nacht Knoten in ihre Haare knüpfen - weil diese sich dann morgens nicht gut frisieren lassen. Sie denkt auch, dass es Einhörner, Hexen und Elfen gibt... also auch Gott und seinen ganzen Hofstaat.
Richtig stören kann mich das ganze Religionsgedöns also nicht... höchstens abnerven.

Was mich aber richtig auf die Palme bringt, sind die Leute, die sich heute so wahnsinnig darüber aufregen. Wo bitte liegt denn Euer Problem denn genau? Dass es jetzt Sonne-Mond-und-Sterne heissen soll? Aber hallo Ihr habt doch auch kein Problem damit, dass Ausruhen und Entspannen seit einigen Jahren "chillen" heisst. Oder dass Ihr keine "seichte Unterhaltung" mehr führt, sondern "Small Talk". Und das "Hin- und Herhüpfen" zwischen Fernsehsendern heisst schon lange "zappen". Daran kann es ja nicht wirklich liegen.
Nein, ich kann Euch zwei Gründe nennen, warum Ihr angepisst seid:
1) schon wieder mal wird man wegen irgendwelcher "blöden Ausländer" bevormundet - ah da kann man schön, den unbegründeten Hass gegen auswärtig Zugegzogene ausleben, auch wenn die das gar nicht gefordert haben
und
2) Ihr seid zu faul Eure angeblich so heißgeliebten Traditionen zu pflegen. Ist doch praktisch wenn das der Kindergarten oder die Schule erledigen.
Ihr seid in der Lage Flashmobs für Zombiewalks in ganz Deutschland zu organisieren, oder tolle Gesänge in Bahnhöfen, aber zu doof um einen Laternenumzug in einer Gemeinde auf die Beine zu stellen.

Ihr wollt Traditionen pflegen? Dann kümmert Euch doch bitte privat darum, das könnt Ihr doch auch, wenn es um Biergelage geht oder andere Festivitäten, da muss dann doch auch kein Kindergarten her, der das für Eucht organisiert.

Ich muss mich ja nur hier im Ort umsehen, Traditionspflege funtkioniert nur, wenn es Freibier, Saufen und Fressen gibt. Weiss eigentlich noch irgendjemand woher das Wort "Kerwe" bzw. "Kirmes" oder "Kirtag" kommt? Aber das Fest der Kirchweihe hatte wohl immer schon den Touch des Besäufnis, auch in der Vergangenheit, aber früher wurde das wengistens noch rund um die örtliche Kirche begangen.... bei uns ist es weitab vom Schuß und hat mit krichlichen Dingen so rein gar nichts mehr zu tun.

Man muss ja nur den erwachsenen Ottonormalbürger fragen was an Weihnachten das wichtigste sei, dann wird er darauf antworten, daß es toll ist arbeitsfreie Tage geniessen zu können und die dazu gehörigen Kinder stehen dann eh nur auf die Geschenke.
Wie gut, dass es dann  noch die Schule und die Kindertagesstätte gibt, wenigstens die versuchen noch die Bedeutung der religiösen Feste zu erläutern. Schön wenn man zur Traditionspflege nichts beitragen muss.

Da stand es dann wieder im Raum, das schöne Wörtchen "Scheinheiligkeit".

Es wird langsam an der Zeit, dass man Staat und Kirche tatsächlich trennt, es ist einfach nicht mehr zeitgemäß, Menschen religiöse Themen aufzudrängen. Wer religiös leben möchte, der sollte nicht zu bequem sein, dies seinen Kindern selbst näher zu bringen.

Ich bin für staatliche Einrichtungen, die bar jeder Religion sind... Gleichheit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit kann man auch anders vermitteln, ohne Erzählungen aus dem Reich der Märchen und Sagen.

Regt Euch doch nicht ständig über irgendwas auf, denkt fortschrittlich und kümmert Euch selbst um Traditionen... aber dann auch richtig.

Mittwoch, 6. November 2013

Mitleid?

Letztens hat jemand aus meiner Freundesliste bei facebook einen Link gepostet, der vom niederländischen Stimmwunder Amira Willighagen erzählte. Ein 9 jähriges niederländisches Mädchen, das bei einer Talenteshow für's Fernsehen mitmachte.
Es sang kein niedliches Kinderliedchen, auch imitierte sie keinen Popstar... nein, sie sang schmettete stimmgewaltig eine Opernarie aus La Traviata.

http://www.youtube.com/watch?v=_NfnSgYqM4M

Jemand kommentierte dies damit, dass sie fast schon Mitleid mit diesem armen Mädchen hätte und diese Stimme würde nicht zu diesem kleinen Wesen passen... letzteres kann ich als Mutter dreier Töchter schon mal schallend lachend verneinen. Mindestens eine meiner 3 Prinzessinnen kann brüllen wie ein wildgewordener Ochse, wenn die andere sich an ihren Sachen vergreift ;)

Und warum Mitleid? In einem nachfolgenden Interview erfuhr ich, dass Amira wohl gerne klassische Musik hört.
Das kann ich voll und ganz nachvollziehen. Ich war auch so als Kind... gut, ich konnte nur leidlich singen - deshalb: Mitleid musste man damals nur mit meinen Freunden haben, denen ich auf dem Schulweg Arien um die Ohren schlug... die Armen. :D

Ganz ehrlich, abgesehen davon, dass mir die Gänsehaut an Körperstellen hoch und runter lief beim Hören dieses Auftritts, von denen ich noch nicht mal wusste, dass ich sie habe - ich finde es wunderbar, wenn Kinder klassische Musik mögen. Wenn sie es stimmlich dann sogar auf die Reihe bekommen, dann ist das ein kleines musikalisches Wunder.

Allemal besser als Kindergartenfesten beizuwohnen, bei denen die lieben Kleinen Ballermannscheisse vorführen, à la "Komm hol das Lasso raus" oder "Das rote Pferd" ... bei sowas hab ich auch Mitleid, mit den Erziehern/Kinderchorleitern, die noch nicht gerafft haben, dass das wertlose Kacke zum Weiberaufreissen auf Urlaubsinseln ist und vor allem Mitleid mit den Zuhörern... und letztendlich Mitleid mit den Kindern, die mit so einem Müll konfrontiert werden, obwohl ihr Geist noch so offen für wirkliche Kultur ist. Warum brauchen wir Krause und Drews und verderben schon in jungen Jahren den Geschmack unserer Kinder?
Deshalb habe ich bisher auch keines meiner Kinder in einem Kinderchor angemeldet... dort werden nämlich fürchterliche Dinge aus den 80ern einstudiert oder oben erwähnte Ballermannballaden.

Hach, was trauere ich diesem herrlichen Kinderchor hinterher, bei dem meine Älteste damals angemeldet war, dort wurde Klassik vom Feinsten geprobt. Zu Weihnachten gab es dann sogar Carl Orff... herrlich anzuhören war das.
Sie war ein unbeschriebenes Blatt und Kopf und Geist waren offen für richtige Kultur... und sowas wie "das Lasso" oder "rote Pferd" ........

....... hmmmmm... hört sie heute in ihrem Stammlokal....... ähm.
Vielleicht sollte ich diesen Teil nochmal überdenken?! ;)

Egal!

Es wäre schön, wenn Amira aus ihrem Talent noch etwas machen kann und Mitleid hab ich nicht mit ihr, denn singen zu können ist eine große Gabe

sagt, eine die es immer schon gerne gekonnt hätte.

Montag, 16. September 2013

Alltag

alltag

unsympathisch der wecker klingt
ätzend und hoch, die sängerin singt
raus aus dem bett
räkeln wär' nett
jedoch kaum noch munter
tapp' ich die treppe runter

erstmal ins bad begebe ich mich
den blick in den spiegel vermeide ich
in der küche stehe ich dann
und überlege was ich bereiten kann

blubbernd ergiesst sich der kaffee in die tasse
„buh“, ruft's hinter mir, na klasse....
die jüngste ist fröhlich und munter
grantig kommt die ältere runter

das schlusslicht irgendwann
macht wie immer mein mann
sind nun alle versorgt
scheint der vormittag nur geborgt

schnell an die nadeln gemacht
wozu eigentlich – hab ich mir oft gedacht
jedoch, die hoffnung stirbt nie
geld muss rein – irgendwie

zwischendurch ein blick ins netz
jesses, was soll denn das jetz'
soviel blödsinn heut' wieder
manchmal ist mir soviel mensch einfach zuwider

hier eine suchmeldung geteilt
egal ob die gute eh schon längst zu hause verweilt
dort ein süsses glitzerndes katzenbild
sowas macht mich gleich morgens ganz wild

ah, eine warnung vor bilderdieben
lest doch erstmal die agb, ihr lieben
die woche der gesundheit dauert auch schon mindest' drei jahr'
ach, wie schön die zeit doch ohne internet war

was? die zeit ist schon wieder rum?
mag es kaum glauben, doch sei's drum
muss los zum kindergarten
dort wird meine kleine schon warten

unterwegs sammeln wir noch die ältere ein
die sieht schon wieder sehr frustriert drein
die liebe so wie sie es will
hät einfach nicht still

ausserdem und sowieso
ist eh alles für's klo
ein teenager schon im herzen
mit all den einhergehenden schmerzen

schnell die stulle für mittags gemacht
ein bisschen über dies und jenes gelacht
die ältere macht sich über die hausaufgaben
während die kleine und ich uns am fernseher laben

der nachmittag ist voller kindergeschrei
die nachbarskinder kommen vorbei
gibt mir zeit für weitere nadelarbeit
eine einkommende sms sorgt für heiterkeit

autokorrektur macht selbst verspätungsnachrichten schmissig
ach herrje, meine hände sind rissig
bevor ich creme auftrage
kommt noch die abendmahlfrage

den herd angeworfen
die nachbarskinder rausgeworfen
leckeres essen
schnell gegessen

die kinder ins bett
jetzt wird’s nett
aber schnarch und säg'
mein mann ist müd und weg

computer an und bierchen auf
dann mach ich halt allein einen drauf
schnell vor der tür eine zigarette
jetzt tratschen sie im dorf... jede wette

das bier war aber schnell leer
da muss gleich ein neues her
meine gedanken in gedichtform geklopft
damit er leer wird, der schwere kopf

das gemüt wird immer schwerer
die kopf trotz schreiberei nicht leerer
wo sind sie eigentlich hin die guten leute
das web ist so schrecklich öde heute

so geht es tag ein tag aus
manchmal möchte ich einfach nur raus
doch wohin soll ich gehen
weit und breit nichts zu sehen

leere strassen
dunkle gassen
kein leben
kein streben

hab's so gewollt!
hab's SO gewollt?
und morgen fällt wieder
der weckruf auf mich nieder

das programm wie immer
nur das kopfweh ist schlimmer
jeder tag ein einheitsbrei
schöne kinderplapperei

der kopf jedoch rotiert
bedürfnisse – unnotiert
das leben so schnell verrinnt
und das alter beginnt

mit erinnerungen an das leben und die stadt
begeb ich mich ins bett, ganz matt
morgen – versprech ich mir – wird’s besser sein
und so schlaf ich doch noch selig ein.





Polemiken die keiner braucht

Hach, wie ich es liebe... diese anklagenden Geschreibsel, die weder durchdacht noch sonst irgendetwas sind. Gehäuft werden sie über die Startseiten auf facebook gejagt und brav geteilt.
So, hab ich gestern dies gefunden, nein - ich bin darüber gestolpert und hab mir fast die Nase dabei gebrochen.


Lieber Verfasser dieser nicht durchdachten Anklage

1970 arbeiteten die wenigsten Frauen, weil das nämlich damals noch nicht der Norm entsprach, eine Frau, die es schaffte, ihren Mann dazu zu überreden, einem Job nachgehen zu dürfen, musste meist mit übler Nachrede kämpfen, noch dazu wenn sie auch noch Kinder hatte. Eine selbstsüchtige Rabenmutter war sie dann, eine hässliche Emmanze und ihr Mann sowieso ein Versager, weil er wohl alleine nicht fürs Einkommen sorgen konnte und seine Frau nicht richtig in der Hand hatte..... so lautete dann die Meinung der Leute.

2-3 Kinder.... ja, das mag sein, denn auch die Pille hatte sich 1970 noch nicht komplett durchgesetzt, Geburtenregelung höchstens in der Großstadt.

Auto... ja, EINES. Damals hatte man noch nicht den Anspruch erhoben, dass jedes Familienmitglied das alt genug dafür war, ein eigenes Fahrzeug besitzen muss. Es gab ein gemeinsames Auto und das war im seltensten Fall ein fabrikneues Modell, es war durchaus noch üblich sich gebrauchte Klepperkisten zu holen, die gepflegt und repariert wurden bis nichts mehr ging. Und man war durchaus in der Lage, kleinere Strecken zu Fuss zu laufen, was scheinbar heute einfach unzumutbar erscheint.

Haus... ja, aber nicht wie heute Fertighäuser. 1970 hat man noch selbst gebaut, in mühevoller Körperarbeit über viele Jahre hinweg. Freunde und Familie haben dabei geholfen, Möbel wurden über lange Zeit und viele Jahre weiter benutzt und nicht alle zwei Jahre neu beim Schweden gekauft.
Der Stadtmensch hat sowieso immer schon in Mietwohnungen gewohnt.

Eine Familie in den 70er Jahren erhob nicht den Anspruch zweimal im Jahr in Urlaub zu fahren und Kleidungstücke wurde so lange getragen, bis sie wirklich nichts mehr taugten.. ich erinnere mich  noch sehr gut an unsere Hochwasserhosen und die aufgenähten Flicken an den Knien... man hat damals nicht einfach Kleidungsstücke weggeworfen, wenn sie ein wenig durch waren oder ein bisschen zu klein geworden.

Irgendwie werden diese Dinge leider immer wieder vergessen, aber wenn's nicht passt wird es halt passend gemacht.


Freitag, 13. September 2013

Schreibtherapie - zerrissenheit

Schreibtherapie -wut

nun sind es bald drei jahre her, das du gegangen bist
mach dir keine sorgen, ich habe deinen platz eingenommen
wenn es mir gut geht, hinterfrage ich das
geht es mir wirklich gut? wird es nicht bald wieder anders sein?

sind menschen fröhlich um mich herum
dann vermiese ich ihnen den tag
irgendwas gibt es immer, das man bemängeln kann
verletzende worte, das beherrsche ich mittlerweile genauso wie du

wenn mich jemand liebt, halte ich ihn für einen heuchler
wenn ich mir etwas kaufe, dann weiss ich, dass ich es mir nicht vedient habe
lesen? nur mit schlechtem gewissen... ich könnte ja was besseres tun
putzen? ja wann endlich?

kompimente sind sicher nur gelogen
ein blick in den spiegel – zeigt mir dich
nicht mal mein ich, hast du mir gelassen
das hast du mitgenommen in dein grab

keine sorge also
ich mache mich jetzt selbst fertig
nach allen regeln der kunst
die du aufgestellt hast

mein ganzes leben hast du beherrscht
am schlimmsten war's in meiner kindheit
nichts war gut genug... nicht für mich, sondern was ich getan
gut war ich nur, wenn ich krank war
dann konntest du leiden, alle aufmerksamkeit für dich
und immer öfter sag ich deine sätze
wie ich es hasse, es klebt an mir wie heisses pech
dein erbe, das ich nie gewollt
geh weg, ich möchte endlich sein!

zerstörung war deine lieblingstat
das brechen von menschenseelen dein liebstes geräusch
ob du es wolltest oder nicht
einerlei – du hast es getan

an niemandem ein gutes haar gelassen
danke für diese gabe, die hätte ich nicht gebraucht
streiten, das konntest du am besten
und alles wusstest du besser

am schönsten war es, wenn du im mittelpunkt stand'st
nichts war wichtiger als du
niemand musste mehr leiden als du
du tust mir heut noch leid

du lässt mich einfach nicht los
muss dich ja lieben... irgendwie
ist das liebe, oder unfreiwillige obsession?
die besessenheit, dir immer noch gefallen zu wollen

bleib wo du bist
ich hoffe, du bist dort glücklicher als ich
rotiere nicht in deinem grab
ich mache alles so, wie du es gewollt

aber vielleicht – irgendwann – kann ich dich abschütteln
für immer
dann werde ich frei und ich selbst sein
und werde lachen.... endlich!


Schreibtherapie – die versöhung

drei jahre sind es fast, dass du gegangen bist
seit drei jahren möchte ich dich immer wieder anrufen
will dir berichten, wie es uns geht
wie es mir geht
was ich geschafft habe

manchmal fehlst du mir
das gute in dir
will dir sagen, dass ich vieles so mache wie du
aber auch vieles gottseidank anders als du
was ich dir aber gar nicht sagen könnte
weil du es nicht verstehen kannst... nicht verstehen magst

da wo du jetzt bist, ist es besser für dich?
du warst so voller wut und ärger
voller ängste und kummer
ist das jetzt vorbei?

fast ist es mir, als hätte ich das alles von dir übernommen
ist es das alter?
ich weiss es nicht, aber es macht mir zu schaffen
möchte es abschütteln, weil es nicht schön ist

oft ist mir, als müsse ich dein leben weiterleben
mit all den erinnerungen, die gar nicht meine sind
an den tod deines kindes, das ich noch nicht einmal gekannt habe
die erinnerungen an einen krieg, den ich nur vom fernsehen kenne

manchmal möchte ich glauben, dass du mich doch geliebt hast
es fällt mir schwer, denn du warst so auf dich selbst konzentriert
da blieb wenig platz für jemand anderen
ich bin so klein

warum hast du mich so klein gemacht?
ich habe sehr lange geglaubt, nichts wert zu sein
eigentlich ist das noch immer tief in mir drin
so wie du mich gesehen hast, voller fehler
so sehe ich mich heute auch

an klaren tagen, weiss ich, dass du nicht anders konntest
deine vergangenheit hat dich zu dem geformt was du warst
aber deine vergangenheit hat auch mich geformt – und das war schmerzhaft
ich war und bin voll deiner fehler
und ich sollte voller fehler meiner selbst sein

irgendwann werde ich es geschafft haben und über deinen schatten springen
dann endlich werde ich dir ganz vergeben können
mein verständnis hast du teilweise schon jetzt
aber es tut noch immer weh
was du hinterlassen hast, ist ein dornenbett, in das ich mich jeden tag neu legen muss

ich finde meinen frieden, das weiss ich
du hast deinen hoffentlich bereits gefunden.