Mittwoch, 29. Juli 2015

Mutterstolz

Also ich gehöre ja wirklich nicht zu den Müttern, die ihre Kinder an ihren Leistungen messen, aber in den letzten Tagen fühle ich mich einfach nur noch von Glück und  Stolz überhäuft.
Alle meine 3 Mädels sind ohnehin schon die besten Kinder, die man sich nur wünschen kann, dass sie auch noch schön, klug, erfolgreich und talentiert sind, ist ein zusätzliches Geschenk.

Habe ich doch letztens erst von den tollen schauspielerischen und tänzerischen Leistungen berichtet, so durfte ich gestern die tollen Zeugnisse meiner beiden Jüngsten Töchter bewundern.
Sophie hat ja noch keine Noten im Zeugnis, aber schriftliche Beurteilungen, und mit diesen Bewertungen rangiert sie knapp unter Mutter Theresa... abgesehen davon, dass ihr scheinbar das Lernen leicht fällt und sie voll und ganz im Unterricht dabei ist.

Gestern war dann noch die Abschiedsfeier von Steffis Klasse, eingerahmt von einem schönen Musical, das die Kinder aufführten




und feierlicher Zeugnisüberreichung.
Für die Schüler mit einem Notendurchschnitt bis 2, gab es ein "Lob"... für die Schüler mit einem Notendurchschnitt bis 1,6 gab es einen Buchpreis.
Als dann Steffi das Zeugnis samt Buchpreis überreicht bekam, wusste ich nicht ob ich vor Freude weinen soll, oder gleich aufspringen und haltlos kreischen.
Aber auch Steffi sieht man an, dass sie stolz wie Bolle ist ;o)

Und jetzt dürfen meine Mädels erstmal die Ferien so richtig geniessen.

Aber jetzt hänge ich mir Mühlsteine an die Füsse, damit ich aufhöre zu schweben ;o)


Montag, 27. Juli 2015

Tanz und Musik

... das war das Motto des Wochenendes, denn meine Mädels hatten endlich den Auftritt im Musical "La Scuola", das von der Ballettschule Anna Bär und dem Liederkranz zusammen in vielen Stunden Arbeit einstudiert wurde.
Ich muss ehrlich gestehen, dass mich weder das Stück (lähmende unausgegorene Handlung), noch die Melodien wirklich überzeugt haben, aber umso mehr die Knochenarbeit der Kinder. Ich habe immer wieder tiefste Ehrfurcht vor dem Mut und den Leistungen, die die "Kleinen" da oben auf der Bühne abliefern. Dass unsere Töchter mittendrin sangen und tanzten hat mich mehr als mit Stolz erfüllt - sie waren wunderschön anzusehen und bewegten sich anmutig und selbstbewusst auf den Brettern, die die Welt bedeuten.










Für Steffi heisst es aber jetzt erst einmal Schluss mit Ballett, im September beginnt die Zeit im Gymnasium - die totale Umgewöhnung eines neuen Tagesablaufs und sie muss gucken, ob sie die Zeit fürs Ballett noch finden wird. Wieder anfangen kann sie ja jederzeit, wenn sie meint, dass es mit Hausaufgaben, Lernen und der neuen Alltagsroutine vereinbar ist.

Endlich endlich! Die Temperaturen sind gesunken und ich kann wieder aufatmen, es tut mir ja (fast) leid für alle Sonnenanbeter und Hitzejunkies.. aber erst einmal fühle ich mich wohl! Seit Samstag liegen die Temperaturen um die 22 Grad und heute regnet es auch endlich. Am Freitag sass ich bei unerträglichen 36 Grad vor dem PC und aktualisierte fast viertelstündlich die Wetterseite, weil ich es nicht glauben konnte, dass es am nächsten Tag fast 15 Grad weniger haben sollte. Aber tatsächlich war es dann so. Ich kann draussen die Pflanzen erleichtert aufatmen hören, fast so laut wie ich selbst!

Und gleich ist auch mehr Motivation zu spüren, sogar Briefe habe ich nach langer Zeit wieder einmal geschrieben. Meinetwegen kann es gerne so bleiben.

Diese Woche beginnen die Ferien meiner Töchter und ich kann sagen: sie sind absolut ferienreif. Die letzten Wochen waren sehr hart: Hausaufgaben bei extremer Hitze, Fahrradprüfung, Proben für Chor und Ballett... die Ferien haben sie sich redlich verdient.

Ich selbst werde die kühleren und terminfreien nächsten Tage für ein neues Betätigungsfeld nutzen: ausgerüstet mit Sticker, Washi tape und Papier versuche ich mich in Gestaltung diverser Tage- und Skizzenbücher. Da ich kein besonders kreativer Mensch bin, weiss ich noch nicht, wie sehr mich die Ergebnisse befriedigen... vielleicht "hänge ich schneller wieder an den Nadeln" als gedacht. Beim Häkeln und Stricken kommt irgendwie immer was Brauchbares heraus, nicht so wenn ich mit Papier, Schere und Stift rum mache.

Aber heute Nachmittag ist erst einmal Aufräumen und Putzen angesagt, am Samstagabend war unser Haus voll mit Gästen, da ich ja meinen Geburtstag gefeiert hatte. Es war toll so viele liebe Menschen um mich herum zu haben, erleichtert war ich auch, dass das Essen gereicht hat und ich denke, ab morgen fühle ich mich auch wieder halbwegs fit... langsam werde ich zu alt fürs exaltierte Feiern ;o) - aber schön war es allemal!

Ich wünsche Euch einen schönen Wochenbeginn mit viel Elan und Kreativität, bleibt gesund und umgebt Euch mit schönen Dingen und Momenten
Eure Blubie


Dienstag, 21. Juli 2015

Achtundvierzig

So alt bin ich seit heute. Ich weiss es noch, als wäre es gestern gewesen, als unsere Klassenlehrerin in der 6. Klasse vom Jahr 2000 sprach und uns bewusst machte, dass wir dann ja schon 30 wären.... mein Gott, fanden wir das uralt!
Tja, so viel dazu... war doch noch gar nicht so lange her, oder?

Da der beste aller Ehemänner gestern UND heute Urlaub hatte, haben wir ja gestern schon ein wenig vorgefeiert - Frühstück und Zeitschriftenkaufrausch.
Um Mitternacht haben wir dann mit einem Bierchen angestossen und dann durfte ich endlich das Päckchen von meinem besten Freund Guido öffnen

Also aufs Gucken der 5. Staffel und aufs Hören der CD freue ich mich ja schon sehr... aber das Buch hat natürlich nicht nur den Vogel abgeschossen, sondern mich auch weit in die Vergangenheit geschleudert: alte Fotografien aus meinem Heimatbezirk, auf denen ich Vieles wieder erkannte, und bei einigen Bildern musste ich echt grübeln, da die Plätze vor über 100 Jahren natürlich völlig anders aussahen, als ich sie als Kind kannte. Ein toller Ausflug in meine Kindheit war das!

Morgens wurde ich dann von meinen Kindern geweckt, die ebenfalls einen Haufen wundervoller Überraschungen für mich hatten und herrlich duftende Rosen aus dem Garten warteten schon auf dem Tisch

 Steffi brachte allerdings noch ein Geschenk von der Schule mit nach Hause, da sie es dort gebastelt hatte, und ich muss sagen: dieses Geschenk ist der Brüller schlechthin. Ich bin stolz auf meine Mittlere, die Idee und Gestaltung sind wunderbar gelungen... und NEIN, meine Kinder dürfen keine Zombiefilme bzw. -serien gucken ;)
Ein tolles Zombieslasher-Brettspiel... wobei wir uns nicht so ganz sicher waren, wer heute Abend wen geslasht hat ;)


Man beachte bitte die liebevoll gestaltete Legende, hier z.B. ist eine kleine Stadt von oben zu sehen


 die Figuren und Würfel sind handgearbeitet, aus Salzteig - hier die Zombies
 und hier die Spielfiguren... wobei der Weisse ist auch ein Zombie, der war nur schon etwas angriffslustig bevor das Spiel überhaupt begonnen hat - man beachte die Blutspritzer ;)

Als die Mädels dann von der Schule nach Hause kamen, ging es gleich nach Eberbach zum Einkaufen, das hatte ich mir so gewünscht, ein paar Bastelutensilien bei Tedi... da ich in den nächsten Tagen eine Idee umsetzen möchte
 dann fand ich noch ein herabgesetztes Minischränkchen - wie passend, da bekommen die Washi tapes, Dekobänder und Stempel gleich ein ordentliches Zuhause, direkt neben dem Schreibtisch :)
 Ein paar hübsche Feuerzeuge nebst intersessanter Zigaretten, die ich noch nie zuvor erblickte, wanderten ebenfalls in den Einkaufswagen.
Jetzt geniesse ich die Ruhe der etwas kühleren Nacht mit einer Tasse Tee und freue mich auf Samstag, denn dann wird mit der ganzen Familie gefeiert.
Ich wünsche Euch allen noch eine schöne Woche, kommt gut durch die tropischen Temperaturen.


Montag, 20. Juli 2015

Was für ein Akt!

Die Blogschliessung hat mich vor ein echtes Problem gestellt und war nicht so einfach, wie ich anfangs gedacht hatte, aber nach einer fast durchwachten Nacht, hab ich nun eine Lösung gefunden - und umgesetzt.
Die zur Verfügung gestellten tools vom alten Blogserver waren leicht zu nutzen, allerdings nicht für Leute mit einem blogspot Account, sondern nur für Nutzer von Wordpress. Also gut, ich hab nun in einem halben Tag alle alten Einträge auf Wordpress gesichert und hier eine Verlinkung zu Wordpress gemacht. Alles andere wäre furchtbar zeitaufwändig gewesen.
Das Archiv bleibt ein Archiv, da kommt nichts Neues dazu. Mein Schönau-Blog hat ebenfalls eine Verlinkung auf die alten Einträge, und wenn ich mal wieder Lust auf einen neuen Beitrag habe, dann wird das künftig hier auf blogspot sein.

Den heutigen Vormittag habe ich mit dem allerbesten Ehemann in Heidelberg verbracht. Man könnte ja direkt am Geburtstag bummeln und frühstücken gehen... aber einen Tag vorher macht's genauso viel Spass ;)
Da hier rundherum ohnehin frühstückstechnisch tote Hose ist, zog es uns also nach Heidelberg und ich war ursprünglich bereit für ein McDonalds-Frühstück... doch dann lief uns das Mandy's Diner über den Weg. Da war ich ja schon lange nicht mehr und ich möchte es Euch vorstellen.
Für den Moment des Aufenthalts überkommt einen das Gefühl einer Zeitreise in die USA der 50er/60er  Jahre, sowohl optisch als auch musikalisch (wobei nach zwei Stunden Rock'nRoll im Medley-Verfahren die Nerven schon blank liegen)












 Mit wohlgefüllter Wampe fuhren wir dann zur eigentlichen Mission: Bahnhofskiosk - wo ich mir den Luxus eines riesigen Zeitschrifteneinkaufs gönnte. Da liegen einige Stunden Schmökervergnügen vor mir, die ich mit einer grossen Tasse Kaffee auf dem Balkon geniessen werde.

Zum Wetter sag ich jetzt gar nichts mehr, ich geh mir mit meiner Jammerei schon selbst kräftig auf die Nerven, dass zusätzlich zum tropisch heiss-feuchten Klima auch noch die Wespenzeit anfängt vermiest mir den kleinen Rest Sommer endgültig.
Ich gebe es freimütig zu: ich bin im Herzen Skandinavier! Permanent Temperaturen unter 23 Grad sind perfekt und wenn dann ein halbes Jahr überhaupt keine Sonne scheint: das wäre das Sahnehäubchen obendrauf.

Oh... ich muss Euch ja noch meine "Nadelhüpfer" der letzten Tag vorstellen



Gehabt Euch wohl, bleibt mir gewogen und schwitzt nicht so viel
Eure Blubie

Mittwoch, 15. Juli 2015

Umzug und Veränderungen

Hier war bisher nur das Zuhause meiner "Ätzereien"... meinen Alltag hatte ich seit Jahren auf blog.de gebloggt - damit ist es jetzt vorbei. Blog.de schliesst seine Plattform und bis Mitte Dezember sind alle Blogs verschwunden.

Nun steht mir Einiges an Arbeit bevor, denn ich kann mich nicht so richtig "trennen", also muss ich mich um die Archivierung kümmern. Landet mein alter Kram einfach nur auf meinem PC, oder werde ich meine alten Einträge hier archivieren?

Ihr habt schon gemerkt, ein paar Änderungen habe ich schon vorgenommen: das Layout, der Titel... aus der Ätzfresse, wurde die Welt - passt ja auch, alles gehört zusammen. Ich grüble aber noch über eine perfektere Gestaltung.

Jeder Blogbeitrag wird mit einem Label (unter jedem Beitrag - und auf der rechten Seite sind alle Labels nochmal aufgelistet - sowas wie Tags halt) versehen, das Euch künftig zeigen wird, worum es hier geht.

Ich hoffe, ich werde auch hier so viele LeserInnen haben, wie auf der alten Plattform.
Nu denn... auf ein Neues!

Montag, 30. März 2015

Superwoman!



Es gibt sie diese Momente im Leben, die man gerne, kaum sind sie passiert, mit der Löschtaste eliminieren möchte. Wer kennt sie nicht? Da es aber keine Löschfunktion gibt, kann man sie nur mit einer gehörigen Portion Humor und Selbstverarschung versuchen zu verarbeiten und aus ihnen lernen.
Heute möchte ich Euch teilhaben lassen, an meinem peinlichsten Moment in meinem Leben.
Es begab sich vor ungefähr 15 Jahren in einem Comicbuchladen in Frankfurt, es war einer dieser Arbeitstage, an denen sich kaum ein Kunde in den Laden verirrt und man gerade als einziger die Stellung hält, weil die anderen Kollegen krank oder im Urlaub sind. Ich brütete über einer kniffligen Bestellung und goss mir den dritten Kaffee aus der Thermoskanne in meinen Lieblingsbecher. Da betrat ein Pärchen den Laden und murmelte einen kaugummikauenden Gruß in meine Richtung. Amerikanische Touristen! Ich fragte, ob ich behilflich sein könnte und bekam tatsächlich ein „Ja, bitte“ zurück geworfen.
Folgender Dialog passierte natürlich in englischer Sprache, der Einfachheit halber gebe ich ihn übersetzt wieder.
Kunde: Ich bin auf der Suche nach dem Supermancomic  xykrwblllbl.
Verkäuferin (wuäh ausgerechnet Superman): Puh, äh… also … keine Ahnung. Ich glaube, den haben wir nicht hier.
Kunde (enttäuscht)
Verkäuferin(deutet in eine Richtung): Sehen sie doch mal in der Heftchenkiste nach.
Kunde (kramt ein wenig herum): es ist eher ein Buch, kein Heft
Verkäuferin (ja mönsch, nerv jetzt ned rum): Hm… leider, echt, ich weiß es nicht.
Kunde (blickt an mir vorbei ins Regal hinter mir, das mit den teuren Luxusausgaben): Da steht es  doch.
Verkäuferin: Ah… super! Entschuldigung, ich lese nur Batman, die Superman-Ausgaben gehen ein wenig an mir vorbei. Soll ich es gleich einpacken?
Kunde: Nein danke, ich bin der Zeichner. Auf Wiedersehen.
Verkäuferin: Garglgnarfblblblblblbl … könnten sie’s signieren? (flüsterte sie fast weinend hinter der geschlossenen Glastür dem davon eilenden Künstler aus den Staaten hinterher)
Da der Künstler anschließend seine Signierstunde im Konkurrenzbuchladen zwei Straßen weiter absolvierte, dauerte es auch keine 5 Minuten bis es alle comicrelevanten Menschen in Frankfurt wussten, was für eine Nulpe ich bin. Die nächsten Monate waren etwas unangenehm, wann immer ich auf der Einkaufsstraße Besorgungen erledigte oder mit der U-Bahn fuhr, gab es ein paar pickelgesichtige Nerds, die mit den Fingern auf mich zeigten, schallend lachten und „Loser“ wisperten.
Was ich daraus gelernt habe? Batman ist einfach viel geiler als Superman!

Dienstag, 24. März 2015

Und da waren dann noch all die Verrückten in meinem Leben



Ich weiß ja nicht, wie es Euch geht, aber mit meinen  knapp 50 Lebensjahren habe ich so allerhand Irre kennen gelernt, wahrscheinlich auch teilweise deswegen, weil ich in speziellen Läden gearbeitet habe, in denen man vorwiegend „Freaks“ antrifft – Sammler, Nerds, Außenseiter. Aber diese meine ich gar nicht, denn die gehörten zu meinem normalen Alltag Sie waren allesamt auch sehr liebenswert und haben mein Leben für lange Zeit bereichert. Eines meiner ersten Erlebnisse im Verkauf, lange vor Harry Potter und Twilight Trilogie, als Rollenspiele dem Großteil der Menschen absolut unbekannt waren: Ich stand hinter dem Tresen und bediente eine Großmutter, die ihrer Enkeltochter ein „Mensch ärgere Dich nicht“ kaufte. Neben mir standen mein Kollege  mit einem Kunden, die beide eingefleischte Rollenspieler waren und lieferten sich ungefähr folgenden Dialog:
„Was hast Du in der Bibliothek dann gemacht?“
„Ich überwältigte den Typen mit der Axt und schlug ihm  mit meinem Breitschwert den Arm ab, damit ich an das Elixier gelangen konnte. Vorher rief ich noch mein Pegasus, damit ich schnell fliehen konnte, bevor die Horde Orks mich einholen konnte.“
Oma plus Enkeltochter standen da und wussten eigentlich gar nicht, warum sie hier waren.
Als ich zum ersten Mal eine Folge „The Big Bang Theorie“ gesehen hatte, verstand ich erst gar nicht, warum das lustig sein sollte – das war doch das normale Leben! Viele Jahre dachte ich, es gäbe gar keine anderen Gesprächsthemen als Comichelden, Inhalte von Serienklassikern und Rollenspielpunktestände.

Aber immer kreuzten auch Menschen meinen Alltag, die irgendwo noch spezieller als die anderen waren.

Da war der eine höchst unterhaltsame Stammkunde, der genau wusste wann die großen Comicverlage ihre Neuheiten liefern und wie lange wir dafür brauchen, um diese auszupacken und im Neuheitenregal zu verstauen. Exakt dann, wenn wir das letzte Album aus dem Karton ins Regal gestellt hatten, stand er in der Tür und strahlte über beide Ohren, um dann mindestens drei Stunden jeden einzelnen Band vorsichtig aus dem Regal zu holen, von allen Seiten zu begutachten und das optimale Exemplar für seine Sammlung vorsichtig auf den Ladentisch zu legen. Er sammelte viele Serien, war also kein armer Mensch – trotz meiner guten Mitarbeiterkonditionen hätte ich mir diese Menge an Serien niemals leisten können. Bitter war halt nur, wenn er an den Tagen kam, an denen der unsensibelste und schmuddeligste Kollege Dienst hatte und seine so liebevoll ausgesuchten Superexemplare herzlos in eine Tüte pfefferte… ich habe in meinem Leben niemals davor und danach so ein blutleeres Gesicht gesehen, wie an jenem Tag. Der Schrecken stand ihm ins Gesicht geschrieben und nun hatte er zusätzlich noch einen Faktor mit einzubeziehen beim Einkauf… die Nichtanwesenheit dieses einen Mitarbeiters. 

Dann gab es  diesen Nichtkunden, der jeden Dienstag um exakt 10:45 Uhr den Laden betrat und eine komplette Runde drehte, durch alle Räume vorbei an allen Regalen und alle Waren in Augenhöhe antippte. Er lächelte freundlich beim Reinkommen und grüßte knapp 10 Minuten später beim Wiederverlassen unserer Räumlichkeiten. Genau jener unsensible Mitarbeiter der vorangegangenen Geschichte war es, der ihn eines Tages darauf ansprach: „Entschuldigung, aber was machen sie da eigentlich?“  Der „Antipper“ schrak zusammen, starrte ihn an und verließ fluchtartig den Laden. Erst Wochen später traute er sich wieder seine gewohnte Runde bei uns zu drehen – und wir haben ihn nie wieder nach seinen Absichten gefragt.

Eines Tages fiel mir eine Frau meines Alters auf (damals Anfang dreißig), die sehr oft im Laden war und sich für ein Comicgenre interessierte, das auch ich sehr mag. Wir kamen schnell in ein nettes und langes Gespräch und jedes Mal, wenn sie in unserem Laden war, wurde auch unser Gespräch länger und es entwickelte sich bald eine Art Freundschaft – man traf sich auch privat. Und sie und ihre Mutter waren oft zu Gast bei uns.  Ihr Leben war kein Einfaches und ihre Geschichten rangen mir Mitleid ab, aber irgendwann wurden ihre Erzählungen immer skurriler, eine Angewohnheit brachte ihre Mutter fast an den Rand eines Herzinfarktes – sie joggte nachts alleine durch den Wald, und das im Einzugsbereich Frankfurts. Ich konnte die Ängste der Mutter durchaus nachvollziehen und stand gedanklich voll und ganz hinter ihr. Die Argumentation die Ängste zu entkräften ließen allerdings mein Kopfkino auf Hochtouren arbeiten. Völlig verständnislos schürzte sie die Lippen, zog ihre Augenbrauen hoch und tönte: „Mama, ich habe mich mit dem Polizeikommissar unterhalten und er hat bestätigt, er hatte sich mit dem ortsbekannten Vergewaltiger, der immer in unserer Kneipe ums Eck‘ gastiert, unterhalten, der hat bestätigt dass ich ihm schon aufgefallen sei, aber die Art wie ich durch die Gegen jogge, wäre ich kein Opfer.“  Ich schwöre, ich bin ein großer Kenner ironischer Aussprüche und Gedankengänge: in ihrer Aussage war kein Fünkchen Satire. Es war zu 100% absolut ehrlich gemeint… da stehen also der Dorfvergewaltiger gerade mal wieder auf Freigang und der Dorfpolizist innig vereint in der Dorfkneipe am Tresen bei einem Kurzen und unterhalten sich: „Sach mal Kalle du kennst doch die A., die immer durch den Wald joggt?“ „Ah, klar, die Kleine, die hat eine Art zu laufen, die würd einer wie ich nie anfassen.“ „Na dann – Prost, Kalle!“ Und der Dorfkneipier fragt: „Na ihr zwei, trinkt ihr noch einen?“ Beide wie aus einem Munde: „Na sischer doch, immer her mit dem Stoff.“

Der sehr schmal gebaute dauerhüstelnde Hochwasserhosenträger, der einmal die Woche in den Spieleladen kam, um sich drei Spiele anzusehen. Komplexe Strategiespiele mit Regelwerken dick wie Tolstoi Bücher. Er stand sehr lange da, steifbeinig wie ein orthodoxer Jude vor der Klagemauer nach vorne und hinten wippend und dabei nervös die Finger der rechten Hand miteinander  reibend und knetend und immer wieder exaltiert hüstelnd. Nach dem Studium der drei Regelwerke kaufte er das erste Spiel das er sich ansah. Die Woche darauf, dieselbe Prozedur mit zwei der Spiele der letzten Woche und einem dritten neuen Spiel, diesmal kaufte er das zweite Spiel der Vorwoche, das nun an die erste Stelle gerückt war… und dies wiederholte sich Woche für Woche.

Und dann war da noch der Koch Anfang der 80er Jahre, in einer frequentierten Wiener Studentenkneipe, der in sich einen verkappten unverstandenen Künstler sah und auf der Suche nach dem perfekten belegten Brot war. Wenn es nicht seinem Kunstempfinden entsprach wurde es auf den Boden/Kühlschrank geklatscht und von neuem erstellt. Der absolute Kassenschlager war eine Portion Linsen mit Knödel und nach der (gefühlten) zehnten bestellten Portion war sein Maß an Geduld überreizt und er schrie durch das Lokal: „Wer noch eine Portion Linsen bestellt, dem hau ich meine Axt ins Kreuz!“

Es gab da da auch eine männliche Aushilfe im Spieleladen, ein 19 jähriger im ersten Jura – Studiensemester, dem Ausdrücke wie „gar köstlich“ über die Lippen kamen, wie bei heutigen Jugendlichen„voll krass Alder“. Am kleinen Finger trug er einen fetten Siegelring und um den Hals täglich ein unflottes Tuch, sauber geknotet und in das korrekt sitzende Hemd eingefügt. Ein überzeugter Monarchist, der in Schnappatmung verfiel als der junge Habsburg sich eines Tages in unseren Laden verirrte und nach einem aktuellen Nintendospiel fragte. Es war das erste Mal in meinem Leben, als ich dachte es wäre jetzt gut Riechsalz in der Nähe zu haben.

Bemerkenswert war der eine Kollege, den wir liebevoll „Katastrowski“ nannten: ausgestattet mit einer Körpergröße, die nicht nennenswert über einer Grube lag, hatte er das Unglück gepachtet. Beim Fahrradfahren in eine Straßenbahnschiene zu gelangen und sich dabei fett auf die Fresse legen, gehörte noch mit zu den harmloseren Dingen. Auch als er bei einer Geschäftsreise nach Wien mit den Koffern bei einer großen Ampel auf „grün“ wartete und ihm dabei bei helllichtem Tage beide Koffer gestohlen wurden, rührte ihn kaum noch wirklich.
Unvergessen allerdings die Sache mit dem Blitz. Eines Gewittertages verirrte sich ein Blitz in sein offenes Wohnungsfenster und zerstörte alle Elektrogeräte, die sich darin befanden. Nicht gerade mit Reichtum gesegnet, versuchte er in den nächsten Wochen auf diversen Flohmärkten alles zu ersetzen, nur um relativ rasch festzustellen, dass der Blitz sehr wohl zweimal in die selbe Stelle einschlägt – ich habe keine Ahnung, ob er seine Geräte erneut nachkaufte.
Auch nicht schlecht war seine Schilderung des unvergesslichen romantischen Silvesterabends, den er nach langem Singledasein endlich mal wieder zusammen mit einer Frau verbrachte. Um Mitternacht das obligatorische Sektgläschen, wahrscheinlich mitten im siebten Himmel, warf er übermütig eine kleine Feuerwerksrakete aus dem Fenster, die dann mit einem hässlichen Geräusch auf dem Auto seiner Herzensdame zerbarst und einen nicht gerade kleinen Sachschaden hinterließ. Es ist anzunehmen, dass dies damals auch das rasche Ende der Liebe bedeutete.
Aber endgültig in die Halle der ewigen Pechvögel gelangte er, als er von der Kriminalpolizei gesucht wurde. Er kam nach Hause und seine Vermieterin überreichte ihm ein Kärtchen der Polizei, er wäre gesucht worden und solle sich sofort melden. Das tat er dann auch, wahrscheinlich mit extremem Herzklopfen, weil er an seine Familie dachte, der vielleicht etwas zugestoßen war. Kaum auf dem Revier angelangt hatte er auch schon Handschellen an und ab ging’s zum Verhör. Es dauerte beinahe einen Tag, bis der Irrtum aufgeklärt war: er hatte das Pech, nicht nur das gleiche Auto wie ein gesuchter Bankräuber zu haben, sondern ihm auch noch ähnlich zu sehen… zumindest laut Zeugenaussage.  Ein handfestes Alibi für diesen Zeitraum gehabt zu haben, war wohl das erste Mal in seinem Leben, in dem ihm das Glück hold war.
Keine Ahnung was er heute macht – irgendwie fehlen mir seine illustren Alltagsgeschichten.

An dieser Stelle möchte ich auch dem ehemaligen Chef eines großen Verlages ein Denkmal setzen, der, wann immer es stressige Situationen gab, für Stunden auf die Toilette verschwand und in Panik ausbrach, weil seine Worddatei für immer weg war, wenn er sie aus Versehen minimierte und diese in der Taskleiste verschwand, die für ihn ein unergründliches Phänomen darstellte. Wie gut, dass man für solche Situationen immer einen Angestellten aus seinem Büro holen konnte, der das Ding aus der Taskleiste holte.

Mittlerweile erinnere ich mich auch gerne an jenen Tag, an dem ich still in einer Ecke des Spieleladens vor mich hin putzte und mein Kollege Daten in den Computer eintippte. Es war ein sehr ruhiger Tag und keine Kunden vorhanden. Da ging die Eingangstür auf und ich sah aus meinem „Versteck“ einen etwas verwirrt dreinblickenden Menschen auf meinen Kollegen zugehen. Er blieb vor ihm stehen, starrte ihn unverwandt an und reagierte nur verzögert auf seinen Gruß. Er grüßte nicht zurück, griff stattdessen in seine Jackentasche und holte eine Pistole heraus. Ihr glaubt gar nicht wie lange Sekunden sein können, lang vergessen geglaubte Anekdoten seines noch kurzen Lebens ziehen an einem vorbei,  man denkt an Menschen, die man schon lange nicht mehr gesehen hat und fragt sich,  ob man seinem Partner heute Morgen noch gesagt hat, dass man ihn liebt. So erging es wohl meinem Kollegen, ich überlegte bloß, wie ich mich aus meiner Ecke heraus in die Freiheit flüchten könnte, ohne erschossen zu werden. Nach einer schrecklangen Weile meinte der Freak: „Haben sie für diese Knallpistole Ersatzknaller?“
Wer denkt, dass einem sowas ja normalerweise gar nicht passieren kann, der irrt – und zwar gleich zweimal: denn einige Jahre später, anderer Laden – anderes Land, erlebte ich genau dasselbe noch einmal. Allerdings stand ich damals hinter dem Tresen und mein Kollege war gerade in der Mittagspause. Da stand grinsend ein mir bis dato unbekannter Kunde vor mir, kramte in einer Tüte und holte eine „Wumme“ heraus, hielt sie mir entgegen und meinte, weiterhin blöde grinsend, dass er sich die gerade im Waffenladen um die Ecke geholt hätte.
Ich möchte nicht weiter ins Detail gehen, was mir in diesem Moment alles durch den Kopf schoss, immerhin war es keine Kugel, das war schon mal beruhigend.

An dieser Stelle ein spezieller Gruß an all die speziellen Menschen in meinem Leben, ohne sie wüsste ich nicht, womit ich dieses Blog füllen sollte und was ich meinen zukünftigen Enkelkindern vor dem Schlafengehen erzählen werde.